In der Gemeinde Gyhum, genauer in den Ortsteilen Bockel und Nartum, möchte Energieparkentwickler UKA ein Agri-Photovoltaik-Projekt realisieren. Hierbei werden landwirtschaftliche Flächen doppelt genutzt – als Weidefläche für Schafe und für die Erzeugung von Solarstrom. Die potenzielle Fläche eignet sich sehr gut für diese Form der Nutzung, da die Bodenqualität gering und ein Anbau von Lebens- oder Futtermitteln an dieser Stelle nicht möglich ist. In dem von UKA vorgelegten Konzept ist eine Kooperation mit dem lokalen Schäfereibetrieb Moorhallig angedacht.
Schäfer Marco Hörmann ist von der Idee überzeugt: „Als regionaler Betrieb unterstützen wir das Projekt. Die geplanten Flächen bieten uns die Möglichkeit, unsere Herde zu verdoppeln und sie dank der Umzäunung besser vor Wolfsrissen zu schützen. Gleichzeitig tragen unsere Schafe mit ihrer natürlichen Beweidung zu einer ökologisch nachhaltigen Pflege der Flächen bei. Die PV-Module dienen ihnen darüber hinaus als zusätzlicher Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung und Witterung.“
Um das Projekt zu realisieren, muss die Samtgemeinde Zeven zuerst eine Entscheidung treffen und das Flächenkataster überarbeiten. Das aktuelle Flächenkataster (amtliches Register, das Informationen zu Flurstücken wie Größe, Lage, Nutzungsart und Eigentümer enthält) basiert auf sogenannten Bodenpunkten, wodurch die Qualität der landwirtschaftlichen Flächen bestimmt wird. Die durch die Kriterien festgelegten potenziell nutzbaren Flächen des Katasters sind allerdings zu klein, um einen PV-Park wirtschaftlich betreiben zu können. Die Samtgemeinde wird so ihr Flächenziel für den Ausbau der erneuerbaren Energien womöglich nicht erreichen. Das steht im Widerspruch zum Niedersächsischen Klimaschutzgesetz.
„Die Landesregierung und die zuständigen Ministerien sehen in Agri-PV auf Grünlandflächen mit mittlerer Bodenpunktzahl und Weidetierhaltung – insbesondere mit Schäferei – eine vorbildliche Kombination aus Klimaschutz, nachhaltiger Energieerzeugung, Landwirtschaftserhalt und Biodiversitätsschutz. Diese Synergien unterstützen sowohl die Erreichung der Klimaziele als auch den Schutz und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft in Niedersachsen”, sagt Torsten Roth, Projektleiter bei UKA. „Freiland-PV-Anlagen auf Grünland können zur Anhebung der Wasserstände, Aufwertung der Flächen und CO2-Senkung beitragen und somit Klima- und Naturschutz gleichzeitig fördern”, so Roth.
