Häufig gestellte Fragen zur Windenergie

Erneuerbare Energien werden schon in wenigen Jahren die wichtigsten Stromquellen in Deutschland sein. Das Rückgrat der Energiewende stellt dabei die Windenergie dar.

Im Vergleich zu allen fossilen aber auch erneuerbaren Energieträgern ist die Windenergie die wirtschaftlich effizienteste Form der Stromerzeugung. Schon heute produzieren Windenergieanlagen Strom günstiger als fossile Kraftwerksneubauten. Zudem steht Wind im Gegensatz zu endlichen Energieträgern wie Kohle, Öl oder Gas unbegrenzt zur Verfügung. Bezieht man darüber hinaus noch die Folgekosten durch nukleare Endlagerung, Umwelt- oder Gesundheitsschäden bei fossilen Energieträgern mit ein, ist die Onshore-Windenergie heute bereits die günstigste verfügbare Energiequelle.

92 Prozent der Deutschen befürworten laut einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid (2014) den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. Trotz dieser Zustimmung und trotz des Potentials als umweltfreundliche Alternative zu klimaschädlichen Energien, begleiten in Deutschland vielerorts Misstrauen, Ängste und Sorgen die Planung und Realisierung von Windenergieprojekten.

Doch was ist eigentlich dran an den vermeintlichen Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt? Wir haben für Sie die wichtigsten Behauptungen zur Windenergie unter die Lupe genommen, damit Sie sich auf Basis von empirisch belegten Zahlen und Fakten Ihre eigene Meinung zum Thema bilden können:

Mythos 1: Windenergieanlagen gefährden die Umwelt

  • Windenergieanlagen töten zahlreich Vögel und Fledermäuse.

    Falsch: Zwar ist der Bau von Windenergieanlagen, wie jede Form der Energieerzeugung, ein Eingriff in die Natur. Doch zahlreiche Studien konnten den Vorwurf des „Vogelschlags“ zurückweisen. Zum Einfluss von Windenergie auf Fledermäuse bedarf es noch weiterer Forschung. Vermehrte Totfunde gab es bislang aber nur in sehr wenigen Windparks.

    Zudem ist Klimaschutz auch Natur- und Artenschutz. Der Wandel des Klimas führt bei Vögeln nachweislich zu deutlichen Verhaltensänderungen. Windenergie ist die treibende Kraft der Energiewende, des größten Klimaschutzprogramms der Geschichte.

    Ein bis fünf Vögel fallen einer Windkraftlage im Jahr zum Opfer. Durch die insgesamt rund 28.200 installierten Windräder in Deutschland (Stand 2016) sterben durchschnittlich 150.000 Vögel.

    120 Mal mehr Vögel sind durch Glasfassaden an Gebäuden bedroht. 18.000.000 Vögel sterben im Jahr bundesweit durch Vogelschlag an Glas.

    • Weiterführende Informationen

      Im Laufe der Standortwahl und des Genehmigungsverfahrens werden mögliche Auswirkungen von Windrädern auf den Lebensraum von Vögeln geprüft.
      Naturschutzgebiete sowie Vogelbrut- und -rastgebiete werden prinzipiell nicht als Standort in Betracht gezogen. Sollten sich Windräder in Zugkorridoren von Vögeln befinden, müssen die Anlagen nach Bedarf (zum Beispiel bei böigen Wetterlagen) abgeschaltet werden, um die Tiere nicht zu gefährden.

      Bei der Planung von Windenergieanlagen gilt somit: Durch umfangreiche Untersuchungen, eine gute Standortwahl, geeignete Vorsorge und tragbare Kompensationsmaßnahmen können negative Auswirkungen auf betroffene Populationen verringert oder sogar vermieden werden.

      Ergebnisse langjähriger Studien von Ornithologen zeigen außerdem, dass ohnehin nur wenige Arten in ihrem Verhalten durch Windenergieanlagen negativ beeinflusst werden.

      Im Gegenteil: So stieg parallel zum Ausbau der Onshore-Windenergie seit 1990 die Seeadlerpopulation insbesondere in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg an – also in den Ländern mit den meisten Windenergieanlagen.

    • Studien

      Kohle, O. (2016). Windenergie und Rotmilan/Mäusebussard. Ein Scheinproblem. Verfügbar unter: http://www.hans-josef-fell.de/content/index.php/dokumente/studien-und-analysen/912-windenergie-und-rotmilan-maeusebussard-ein-scheinproblem/file

      Hauff, P. (2009). Zur Geschichte des Seeadlers Haliaeetus albicilla in Deutschland, Linz/Austria 2009, S. 11; Verfügbar unter: http://issuu.com/hinschethomas/docs/geschichte_des_seeadlers_in_deutschland

      National Environmental Research Institut (2005). Avian collision risk at an offshore wind farm, Biodiversity,  Denmark. 

      Bundesverband WindEnergie (2005). Vogelschutz und Windenergie, BWE-Hintergrundpapier (5).

      Swedish Energy Agency (2005). The Impact of Offshore Wind Farms on Bird Life in Southern Kalmar Sound - Sweden.

      Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland (2004), Auswirkungen der regenerativen Energiegewinnung auf die biologische Vielfalt am Beispiel Vögel. Fakten, Wissenslücken, Anforderung an die Forschung, ornithologische Kriterien zum Ausbau von regenerativen Energiegewinnungsformen.

      Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (2004). Vögel und Fledermäuse im Konflikt mit der Windenergie Erkenntnisse zur Empfindlichkeit. Bremer Beiträge für Naturkunde und Naturschutz, Heft 7.

      Arsu GmbH (2004). Langzeituntersuchung zum Konfliktthema „Windkraft und Vögel“, 3. Zwischenbericht Oldenburg.

      Büros für faunistische Fachfragen Linden, Matthias Korn u.a. (2003). Stellungnahme Regionalplan Oberpfalz-Nord – Ausschusskriterien für Windenergieanlagen im Vorkommensgebietgefährdeter Großvogelarten.

      Technische Universität Berlin (2002). Windenergie und Vögel – Ausmaß und Bewältigung eines Konfliktes (Tagungsband).

      Frank Bergen (2001). Untersuchungen zum Einfluss der Errichtung und des Betriebs von Windenergieanlagen auf Vögel im Binnenland (Diss.), Bochum.

      Ihde, S. u.a. (1999),Vogelschutz und Windenergie – Konflikte, Lösungsmöglichkeiten und Visionen,  Osnabrück. Verfügbar unter: http://www.bund-rvso.de/windenergie-windraeder-voegel-fledermaeuse.html

  • Windenergieanlagen schaden Wild- und Nutztieren.

    Falsch: Es konnten durch den Betrieb von Windenergieanlagen bislang keine Verhaltensauffälligkeiten bei Tieren auf naheliegenden Koppeln, Weiden oder in Ställen festgestellt werden. Auch Wildtiere nehmen die Anlagen nicht als Bedrohung war, sondern gewöhnen sich schnell an sie.

    • Weiterführende Informationen

      Studien sowie Umfragen unter deutschen Jägern zeigen, dass Niederwild wie Rehe, Füchse und Hasen nicht durch Windkraftanlagen gestört werden und deren Umfeld auch nicht meiden. Studien zu den Auswirkungen auf Hochwild gibt es bislang nicht, Erfahrungswerte legen aber ähnliche Ergebnisse nah.

      Der Bau von Windenergieanlagen ist hingegen häufig mit einer Aufwertung des Lebensraumes der Tiere verbunden. So kann beispielsweise mit der Begrünung des Fundamentfußes ein neues Nahrungsangebot geschaffen werden. Die Wege, die für den Bau nötig sind, werden außerdem anschließend umgestaltet, häufig mit Laubgehölzen. Dies erhöht die Biodiversität in Monokulturen.

    • Studien/Links

      Arnett, E. B. (Bat Conservation International Technical Editor and Project Coordinator) (2005). Relationships between Bats and Wind Turbines in Pennsylvania and West Virginia.

      Sedding, A. (2004). Windenergieanlagen und Pferde. Gutachten, Bielefeld.

      Hensen, F. (2004). Gedanken und Arbeitshypothesen zur Fledermausverträglichkeit von Windenergieanlagen.

      Elsam Engineering A/S (2004). Horns Rev. Annual status report for the environmental monitoring programme (1.1.–31.12.2003), Fredericia.

      Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (2001), Projekt „Windkraftanlagen“. Raumnutzung ausgewählter heimischer Niederwildarten im Bereich von Windkraftanlagen, Hannover.

  • Windenergieanlagen zerstören naturnahe Wälder.

    Falsch: Windenergieprojekte werden in intensiv genutzten Wirtschaftswäldern umgesetzt, die eine ohnehin vom Menschen geprägte Kulturlandschaft darstellen. Naturnahe und schutzbedürftige Gebiete werden von der Nutzung durch Windenergie ausgeschlossen.

    Für durch den Bau gerodete Flächen sind außerdem Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben – beispielsweise Ersatzaufforstungen oder Waldumbaumaßnahmen. Für jeden Quadratmeter gerodeten Wald wird an anderen Flächen 1:1 wieder aufgeforstet.

    Jede 5. Neuanlage wird in Deutschland im Wald errichtet. Im Ländervergleich haben Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die meisten Windräder im Forst. Dort steht bereits ein Viertel des Anlagenbestandes an Waldstandorten.

    • Weiterführende Informationen

      Auch wenn der Bau von Windenergieanlagen stets einen Eingriff in die Natur darstellt: Der Wald hat großes Potential für den Ausbau der Windenergie. Er bietet sowohl die für die Energiewende notwendige Ausweisung neuer Flächen als auch Anwohnerschutz. Die Bäume eines Waldes bieten nämlich einen effizienten, natürlichen Sichtschutz. Im Nahbereich werden Türme und Rotoren durch die Sichtverschattung der Bäume kaum wahrgenommen.

      Die natürliche Geräuschkulisse im Wald liegt zudem meist über der der Windenergieanlagen. Mit einer Turmhöhe von 140 Metern wird eine ertragsmindernde Rauigkeit der Baumwipfel nahezu aufgehoben. Die Rotoren befinden sich somit in einer Luftschicht mit hohen Windgeschwindigkeiten – was die Energiegewinnung im Wald sehr effektiv und wirtschaftlich macht.

      Beispielsweise verzeichnen die Höhen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb die größten Windgeschwindigkeiten in Baden-Württemberg. Um dieses Potential in Einklang mit der Natur nutzen zu können, wird bei der Planung von Windenergieprojekten sowohl mit den Naturschutzbehörden als auch mit dem zuständigen Forstamt zusammengearbeitet. Naturschutzfachliche Gutachten stellen sicher, dass Beeinträchtigungen der Pflanzen- und Tierwelt weitestgehend minimiert werden.

      Und auch nach der Nutzung durch Windenergie wird für den Wald gesorgt: Stillgelegte Anlagen müssen zurückgebaut werden und dürfen nicht als Ruine in der Landschaft bestehen bleiben. Die WEA wird vollständig entfernt, die Fundamente werden bis zu einer Tiefe von 1,2 Meter abgetragen, Hohlräume mit Füllboden gefüllt und Mutterboden aufgebracht.

      Wenn gewünscht, werden auch befestigte Zuwegungen entfernt. Die Verpflichtungserklärung des Anlagenbetreibers zu diesem Rückbau ist bereits in der Planungsphase als eine Zulässigkeitsvoraussetzung verankert, um überhaupt eine Betriebsgenehmigung zu erhalten.

    • Studien

      FA Wind (2016). Entwicklung der Windenergie im Wald - Ausbau, planerische Vorgaben und Empfehlungen für Windenergiestandorte auf Waldflächen in den Bundesländern. Verfügbar unter: http://www.fachagentur-windenergie.de/fileadmin/files/Veroeffentlichungen/FA-Wind_Analyse_Wind_im_Wald_06-2016.pdf

Mythos 2: Windenergie ist gefährlich und macht krank

  • Windenergieanlagen sind laut und stören Anwohner.

    Falsch: Moderne Windenergieanlagen sind inzwischen schallgedämmt, besitzen schalltechnisch optimierte Rotorblattformen und produzieren somit wenig Lärm. Zusätzlich überlagern Umgebungsgeräusche wie Straßenlärm, die raschelnden Blätter der Bäume oder Alltagsgeräusche, die Geräuschentwicklung der Windenergieanlagen.

    Bereits in wenigen 100 Metern Entfernung ist das durch die Rotorblätter hervorgerufene Rauschen nicht mehr hörbar. Zusätzlich wird an der Minimierung der Lichtemission, hervorgerufen durch die Hindernisbefeuerung der Anlagen, gearbeitet. Gesetzliche Bestimmungen verpflichten bei der Planung zudem, Anwohner vor Schattenwurf auf ihre Wohnhäuser zu schützen.

    45 dB(A) beträgt die Schallbelastung einer modernen Windenergieanlage bei einem Abstand von 200 Metern. Das ist 5 dB(A) leiser als beispielsweise das Surren eines Kühlschranks.

    100 dB(A) ist man hingegen in einem fahrenden Auto bei 100 km/h ausgesetzt.

    • Weiterführende Information

      Lärm

      Bei einer Windenergieanlage gibt es zwei Schallquellen: Die mechanischen Bauteile, wie Getriebe und Generator sowie der durch die Bewegung des Rotors entstehende aerodynamische Schall. Wie deutlich diese zuhören seien dürfen legt die „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA-Lärm DIN ISO 9613-2) fest. Die Grenzwerte liegen zwischen 35 dB(A) in Wohngebieten und 45 dB(A) in Mischgebieten. Dementsprechend ist ein Mindestabstand zur nächsten Wohnbebauung einzuhalten. Um eine Baugenehmigung zu erhalten, muss die Einhaltung dieser Werte durch ein unabhängiges Gutachten nachgewiesen werden.

      Befeuerung

       Derzeit werden außerdem verschiedenste Methoden erprobt und erforscht um die optische Beeinträchtigung durch Windkraftanlagen – insbesondere durch die Hindernisbefeuerung – noch weiter zu minimieren. Diese ist seit 2004 durch die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen“ (AVV) festgelegt: Die Kennzeichnung am Tag erfolgt über farbige Markierungen und / oder weiße Feuer. Für die Nachtkennzeichnung dürfen in Deutschland ausschließlich rot blinkende Feuer verwendet werden. Zukünftig könnten jedoch Radarsysteme genutzt werden, die den Windenergieanlagen rechtzeitig signalisieren, dass ein Flugzeug im Anflug ist. Die übrige Zeit kann das Blinken dann abgeschaltet werden. Eine andere Variante ist die Abschirmung des Leuchtsignals nach unten oder die Anpassung der Leuchtstärke je nach Sichtweite.

      Schattenwurf

      Laut den Hinweisen des Arbeitskreises Lichtimmissionen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz darf der Schattenwurf von Windenergieanlagen nicht länger als 30 Stunden pro Jahr und 30 Minuten am Tag auf ein Wohnhaus wirken. In der Bau- bzw. Bundes-Immissionsschutzgesetz-Genehmigung wird in diesem Falle die Ausrüstung der Anlage mit einer Abschaltautomatik vorgeschrieben. Der Grenzwert ergibt sich jedoch aus einem theoretisch maximal möglichen Schattenwurf: Die Dauer bezieht sich auf Idealbedingungen, wenn stets die Sonne schiene, der Rotor sich stets drehe und immer quer zur Sonne stünde. Bei realen Verhältnissen an einem Standort mit einer theoretischen Schattenwurfdauer von 30 Stunden im Jahr kann von einer tatsächlichen Schattenwurfdauer von acht Stunden pro Jahr ausgegangen werden. Die Begrenzung des Schattenwurfes auf diese acht Stunden im Jahr wird durch die Abschaltautomatik gewährleistet.

    • Studien

      Deutscher Naturschutzring DNR (2005). Umwelt- und Naturverträgliche Windenergienutzung in Deutschland (onshore) – Analyseteil, Lehrte.

      Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen (2002). Windenergieanlagen und Immissionsschutz (Materialien Nr. 63), Essen.

      Gesetz zur Umsetzung der UVP-Änderungsrichtlinie, der IVU-Richtlinie und weiterer EG-Richtlinien zum Umweltschutz, BGBl. I, Nr. 40 vom 2.8.2001.

      Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA Lärm) vom 26. August 1998, GMBI 1998, S. 503-515

      Fördergesellschaft Windenergie (1998). Technische Richtlinien zur Bestimmung der Leistungskurve, des Schallleistungspegels und der elektrischen Eigenschaften von Windenergieanlagen, Brunsbüttel.

  • Der Infraschall der Windenergieanlagen macht krank.

    Falsch: Wissenschaftlichen Studien zeigen, dass Infraschall nur dann Folgen für den menschlichen Organismus hat, wenn man ihn hören oder fühlen kann. Unterhalb dieser Wahrnehmbarkeitsschwelle sind keine negativen Auswirkungen bekannt. Der von Windenergieanlagen erzeugte Infraschall erreicht jedoch auch im Nahbereich diese Grenze der Wahrnehmbarkeit nicht und ist somit ungefährlich.

    20 Hz Schall und 130 dB Schalldruck markieren die Wahrnehmbarkeitsschwelle. Die durch Windenergieanlagen erzeugte Geräuschkulisse liegt deutlich darunter.

  • Bei starken Stürmen kippen Windkraftanlagen einfach um.

    Falsch: Ein Unfallrisiko kann wie bei jedem technischen Bauwerk zwar nicht kategorisch ausgeschlossen werden, es ist aber äußerst gering. Sollten dennoch Störfälle auftreten, betreffen diese nur die nähere Umgebung. Durch die gesetzlichen Abstandsregelungen sind Wohngebäude und Siedlungen nie gefährdet.

    • Weitere Informationen

      Die Fundamente für Onshore-Windkraftanlagen werden an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Meist werden Flachgründungen aus Beton und Stahl genutzt. Bei weichem Untergrund werden zusätzlich Pfahlgründungen eingesetzt. Das Fundament sichert die Anlage so vor dem Einsinken und Umfallen.

      Auch weitere Gefahrenpotentiale werden bei modernen Anlagen weitgehend ausgeschlossen: Ein Abbrennen durch Blitzeinschläge wird heute durch Blitz- und Überspannungsschutz nahezu unmöglich. Spezielle Eissensoren und Rotorblattheizungen können außerdem im Winter und in kalten Regionen Eisabwurf verhindern. Sonstige Störungsfälle sind durch eine automatische und computergesteuerte Betriebsführung frühzeitig erkennbar.

    • Studien

      Seifert, H. (2005). Eiszeit am Standort, DEWI Magazin, 2/2005

      Seifert, H. (1996). Rotorblätter eiskalt erwischt, DEWI-Magazin, 2/1996

      Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (2003). Gesamtüberblick über den technologischen Entwicklungsstand und das technische Gefährdungspotenzial, 3/2003.

Mythos 3: Windenergieanlagen verschandeln die Landschaft

  • In Deutschland werden willkürlich Windenergieanlagen gebaut.

    Falsch: Bereits in der Planungsphase muss ein Windenergieprojekte allerlei gesetzliche Hürden überwinden, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Schon zu Beginn werden alle betroffenen Behörden, kommunalen Verbände und Vereine über das Vorhaben informiert, die den Prozess mit beeinflussen können. Dabei ist seit dem 1. Juli jede Windenergieanlage einzeln genehmigungspflichtig.

    5 Jahre dauert es im Schnitt von der Projektentwicklung bis zur Inbetriebnahme. Etwas mehr als 4 Jahre braucht es dabei bis zur Anlagengenehmigung.

    • Weitere Informationen

      Kommunen können mit Hilfe des kommunalen Bauleitplanverfahrens und der Aufstellung eines Flächennutzungsplanes oder eines Bebauungsplans Vorrangflächen für Windenergie schaffen und so den Bau steuern und konzentrieren. In diesem Bauleitplanverfahren können sich auch Bürger in der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung einbringen und Bedenken äußern. In vielen Bundesländern übernimmt die Regionalplanung unter Beteiligung der Kommunen das Verfahren und sorgt so für eine geregelte räumliche Verteilung der Windenergieanlagen.

      Neben bestehenden gesetzlichen Vorgaben können die Planungsgemeinschaften auch selbst Kriterien für den Bau von Windenergieanlagen festlegen, wie zum Beispiel ein erhöhter Abstand zur Wohnbebauung. Ausgeschlossen für das Aufstellen und Betreiben von Windkraftanlagen sind Naturschutzgebiete oder Regionen von besonderer kultureller und historischer Wertigkeit. Des Weiteren werden im Genehmigungsverfahren örtliche Bedingungen wie die Wohnbebauung oder die Tier- und Pflanzenwelt untersucht.

      Dabei unterliegt die Planung dem Baugesetzbuch bzw. dem Bundesimmissionsschutzgesetz, dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Gesetzt über die Umweltverträglichkeitsprüfung.

    • Studien

      Fachagentur Windenergie an Land (2015). Dauer und Kosten des Planungs- und Genehmigungsprozesses von Windenergieanlagen an Land. Verfügbar unter: http://www.fachagentur-windenergie.de/fileadmin/files/Veroeffentlichungen/FA-Wind_Analyse_Dauer_und_Kosten_Windenergieprojektierung_01-2015.pdf

      Änderung der 4. Bundesimissionsschutzverordnung zum 1.7.2005, BWE-Hintergrundpapier, 6/2005.

      Baugesetzbuch (BauGB)

      Bundesemmissionsschutzgesetz (BimSchG)

      Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

      Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG)

  • Windenergieanlagen vertreiben Touristen.

    Falsch: Windräder verändern das Landschaftsbild. Keine Frage, dass das nicht jedem gefällt. Bislang gibt es aber keinen signifikanten Nachweis, dass Windenergieanlagen einen negativen Einfluss auf den Tourismus haben. Dies haben empirische Untersuchungen von Tourismusforschungsinstituten inzwischen hinreichend bewiesen.

    99 Prozent der Befragten der Studie „Einflussanalyse Erneuerbarer Energien und Tourismus in Schleswig-Holstein“ (2014) gaben an, dass es keine landschaftsbildbezogenen Gründe für ein künftiges Fernbleiben vom Ferienort gibt.
    94 Prozent
    der Besucher fühlen sich generell von Windkraftanlagen nicht gestört.

    • Weiterführende Informationen

      Studien haben gezeigt, dass sich zwar einige Touristen an Windkraftanlagen in der Landschaft mehr oder weniger stören, sich aber deswegen mehrheitlich nicht gegen einen Urlaubsort entscheiden würden. Gerade Regionen an der Nord- und Ostsee verzeichnen nach wie vor steigende Touristenzahlen trotz der in den vergangenen Jahren gebauten Windenergieanlagen.

      Untersuchungen haben gar ergeben, dass Windkraftanlagen anliegenden Gemeinden ein positives, „grünes“ Image verleihen und damit neue Tourismusformen fördern können. Dies greift beispielsweise auch ein spezieller Reiseführer von Baedeker „Deutschland. Erneuerbare Energien entdecken“ auf. Demnach sind Windkraftanlagen nicht nur ein Zugpferd der Energiewende, sondern auch eine beliebte Attraktion für Feriengäste.

    • Studien

      NIT Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH (2014). Einflussanalyse Erneuerbare Energien und Tourismus in Schleswig-Holstein.

      Institut für Regionalmanagement (2012). Besucherbefragung zur Akzeptanz von Windkraftanlagen in der Eifel.

      Offshore-Park Nysted ist eine Touristen-Attraktion, Ostsee-Zeitung, 11.09.2004.

      Windkraft-Tourismus, neue energie, Heft 7/2004.

      Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus an der Universität Rostock (2003). Wirkungseffekte von Offshore-Windkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern auf touristische Nachfrage- und Angebotsstrukturen.

      Soko-Institut GmbH (2003). Windkraftanlagen und Tourismus. Bevölkerungsumfrage, Bielefeld.

      Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH N.I.T. (2000). Touristische Effekte von On- und Offshore-Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein, Kiel.

  • Windkraftanlagen vermindern die Wohnqualität und führen damit zu Wertverlust bei Grundstücken und Immobilien.

    Bislang gibt es keinen Beleg dafür, dass Windenergieanlagen einen direkten negativen Langzeiteffekt auf Immobilienpreise haben.

    • Weiterführende Informationen

      Häufig wird beklagt, dass Immobilien in der Nähe von Windparks dauerhaft an Wert verlieren könnten, auch wenn bei der Errichtung gesetzliche Immissionswerte und Mindestabstände zu Wohngebieten eingehalten werden. Tatsächlich ist der Wert von Immobilien jedoch durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt. Das Vorhandensein von Windkraftanlagen ist nur einer davon.

      Wie stark sich dieser Faktor auswirkt, hängt von den Bedürfnissen der Kaufinteressenten der Grundstücke ab, denn: Die Nachfrage bestimmt den Preis. Faktoren, wie die Nähe zu Ballungsräumen oder die Infrastruktur vor Ort spielen in Zeiten der Urbanisierung jedoch eine immer wichtigere Rolle - insbesondere in ländliche Gebieten, in denen sich auch Windräder häufig drehen. Studien aus Ostfriesland und Aachen zeigen bereits, dass es in Gebieten mit einer hohen Dichte an Windrädern sogar zu einer positiven Immobilienpreisentwicklung kommen kann. Durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, Zuzug oder die Möglichkeit der Beteiligung an einem Bürgerwindpark können außerdem Werte in strukturschwachen Regionen geschaffen werden.

      So können auch ortsansässige Firmen beim Bau der Windparks oder bei der Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen (z. B. Aufforstungen, Renaturierung von Gewässern) involviert werden. In vielen Fällen werden Bürgern, die in der Nähe von Windparks leben zudem finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten eingeräumt.

      Darüber hinaus können Einnahmen von Grundstückseigentümern aus der Vermietung und Verpachtung für Windenergieanlagen jungen Familien die Möglichkeit bieten, eine Stelle mit geringeren Verdienstmöglichkeiten in der Heimat anzunehmen statt in größere Städte abzuwandern. So wirken sie aktiv dem Kreislauf aus Abwanderung und Immobilienpreisfall im ländlichen Raum entgegen.

    • Studien

      Stadt Aachen (2011). Untersuchung: Hat der Windpark „Vetschauer Berg“ Auswirkungen auf den Grundstücksmarkt von Wohnimmobilien in den Ortslagen Vetschau und Horbach. Verfügbar unter: https://www.windenergie.at/MEDIA/Studie%20Immobilienpreise%20und%20Windenergie%20Aachen.pdf [10.02.2017].

      Troff, Herbert (2013). Einflüsse von Windkraftanlagen auf den Wert von Immobilien und Grundstücken. Verfügbar unter: http://www.energieagentur-goettingen.de/fileadmin/files/downloads/131022_Troff_Wertentwicklung_Immobilien_01.pdf [10.02.2017].

Mythos 4: Windkraft schadet der Wirtschaft und verschwendet Ressourcen

  • Windenergie gefährdet Arbeitsplätze.

    Falsch: Windenergie ist ein Jobmotor: 371.400 Beschäftigte arbeiten derzeit in Deutschland in der Branche der erneuerbaren Energien. Davon entfällt der größte Teil von 37 Prozent und 137.800 Arbeitsplätzen auf das Segment der Windenergie. 119.000 Beschäftigte können dabei der Windenergie an Land zugerechnet werden. Damit hat sich die Zahl der Beschäftigten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

    500.000 Beschäftigte werden in Deutschland laut Prognosen im Jahr 2030 in der Branche der erneuerbaren Energien arbeiten.

  • Windenergieanlagen weisen eine negative Ökobilanz auf.

    Falsch: Eine Windturbine an Land fährt innerhalb von drei bis zwölf Monaten die Energie ein, die für die Produktion, den Betrieb und die Entsorgung aufgewendet wird. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 20 Jahren ergibt sich somit eine durchaus positive ökologische und ökonomische Bilanz.

    40 bis 70 Mal so viel Energie erzeugt eine Windenergieanlage während ihrer Laufzeit, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung eingesetzt wird.

    • Weiterführende Informationen

      Eine 3-MW-Windenergieanlage erzeugt während einer Betriebsdauer von 20 Jahren rund 180 Millionen Kilowattstunden. Damit kann diese circa 2600 Drei-Personen-Haushalte pro Jahr versorgen. 3 Quadratmeter Rotorfläche einer Windenergieanlage decken dabei den jährlichen Strombedarf einer vierköpfigen Familie - insgesamt misst die Rotorfläche (beispielsweise der Anlage Vestas V126) 12.469 Quadratmeter.

    • Studien

      BWE-Service GmbH (2005). Windenergie Marktübersicht, Osnabrück.

      TÜV-Verlag (2000). Nutzung der Windenergie, Karlsruhe.

      Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (2007). Lebenszyklusanalyse ausgewählter Stromerzeugungstechniken, Stuttgart.

      Fachhochschule Würzburg (2004). Energetische Bewertung von Windkraftanlagen (Diplomarbeit), Würzburg.

      Ruhr-Universität (2004). Ganzheitliche Energiebilanzen von Windkraftanlagen: Wie sauber sind die weißen Riesen?, Bochum.

      Kaltschmitt, M. u.a. (2003). Erneuerbare Energien – Systemtechnik, Wirtschaftlichkeit, Umweltaspekte, 3. Auflage, Berlin.

  • Windenergieanlagen können nicht sinnvoll entsorgt werden.

    Falsch: Moderne Windräder können fast vollständig verwertet werden. Die realisierbare Recyclingquote liegt bei 80 bis 90 Prozent.

    Eine Windkraftanlage inklusive Getriebe, Stahlrohrturm und Fundament besteht aus:

    • 60 Prozent Stahlbeton
    • 30 Prozent Stahl
    • 2 Prozent Glasfaserverstärkter Kunststoff
    • sowie kleine Mengen Kupfer, Aluminium, Elektroteilen und Betriebsflüssigkeiten.
    • Weiterführende Informationen

      Die Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff lassen sich schreddern oder zermahlen. Das Material kann bei der Neuherstellung von Rotorblättern beigemengt, als Füllstoff in Kunststoffen verwendet oder die Glasfaserbestandteile in Zementmischungen wiederverwertet werden.

      Bei unwirtschaftlich langen Transportwegen ist alternativ auch einer thermischen Verwendung in Verbrennungsanlagen möglich. Der Beton des Fundaments kann als Zuschlagstoff im Straßenbau verwendet werden. Elektroschrott wird in Scheideanstalten stofflich verwertet und die metallischen Komponenten in Gießereien eingeschmolzen.

      Besonders diese Bestandteile aus dem Maschinenhaus, der Rotornabe und dem Generator sind wertvoll und damit ein Recycling wirtschaftlich sinnvoll. Werden die gebrauchten Anlagen nicht recycelt, finden sie zuweilen auch an Standorten in anderen Ländern eine Zweitverwendung.

    • Studien

      Mühlenabbau – für ein 2. Leben oder die Entsorgung?, Erneuerbare Energien, Heft 6/2004.

      Perspektiven eines Recycling von Windkraftanlagen, DEWI Magazin, August 1995.

Mythos 5: Windkraft ist unzuverlässig

  • Windräder stehen zu oft still.

    Falsch: Die Betriebszeit einer Windenergieanlage liegt bei 7000 bis 8000 Stunden im Jahr – das entspricht einer Auslastung von 85 Prozent. Einige Standorte erreichen dabei bis zu 2000 Stunden pro Jahr eine Vollauslastung. Ein hoher Ertrag wird jedoch bereits bei Teilleistung erreicht.

    • Weiterführende Informationen

      Moderne Windturbinen arbeiten effektiv mit mäßigen Drehzahlen. Bei einer Windgeschwindigkeit von 2,5 Meter pro Sekunde wird Strom erzeugt, der in das örtliche Netz eingespeist wird. Bei starkem Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 25 bis 34 Metern pro Sekunde werden die Anlagen herabgeregelt, um Schäden an den Windrädern, aber auch eine Überlastung des Netzes zu vermeiden. Dies ist aufgrund des bislang fehlenden Netzausbaus bei starkem Wind notwendig. (Siehe Mythos „Windräder garantieren keine Grundversorgung“).

      Weitere Ursachen für einen Stillstand der Rotoren sind Wartungsarbeiten oder Reparaturen, der Schutz von Vögeln und Fledermäusen zu Brut- und Anflugzeiten sowie der Anwohnerschutz.

  • Windräder garantieren keine Grundversorgung.

    Falsch: Eine sinnvolle zeitliche und örtliche Einspeisung von Windstrom kann auf Grundlage von meteorologischen Prognosen präzise berechnet werden. So können Leistungsabfälle und Überschüsse regional, überregional und europaweit über das Stromnetz ausgeglichen werden.

    Zusätzlich ergänzen andere Erneuerbare-Energie-Anlagen, wie Wasserkraftanlagen, Biogasanlagen oder geothermische Kraftwerke den grünen Energiemix.

    Rund 28.200 Windräder lieferten 2015 in Deutschland 12,3 Prozent des erzeugten Stroms. Davon sind rund 27.270 Anlagen an Land installiert.

    • Weiterführende Informationen

      Um in Zukunft ganz auf erneuerbare Energien setzen zu können, bedarf es einem weiteren Ausbau des Stromnetzes. Dazu sind die Netzbetreiber gemäß dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet.

      Erst dann kann individuell auf die schwankende Stromeinspeisung aus Wind- und Solarenergie reagiert und der Strom überregional und grenzüberschreitend verteilt werden. Dann ist auch bei starkem Wind eine Abschaltung der Windräder wegen drohender Überlastung der Netze nicht mehr notwendig.

    • Studien
  • Windenergie kann nicht ökonomisch sinnvoll gespeichert werden.

    Eine bedarfsgerechte Einspeisung von Windstrom ist derzeit durch meteorologische Prognosen möglich. Durch die Steuerung der Energieerzeugung und der Nachfrage gelingt es so, die Stromnetze trotz der schwankenden Verfügbarkeit stabil zu halten. Zusätzlich werden in der Praxis bereits verschiedene Speicherverfahren erforscht und erprobt.